Altenpflegeschüler* innen fordern Verbesserung in der Pflege

Veröffentlicht am 20.04.2017 in Aktuelles

Ralf Stegner und Regina Poersch besuchen Altenpflegeschule in Preetz

Preetz. Alle im Raum lieben ihren zukünftigen Beruf, aber sie haben auch eine Menge Kritik: In der Altenpflege und in der Ausbildung haben sich in den vergangenen Jahren einige unerfreuliche Entwicklungen verfestigt. Die Schüler*innen der AWO-Fachschule für Altenpflege in Preetz geben den beiden SPD-Politiker*innen Ralf Stegner und Regina Poersch im Wahlkampf Forderungen und Anregungen  mit auf den Weg. Es geht vor allem um die zunehmende Kommerzialisierung eines sozialen Handlungsfeldes, die Fragen nach dem Sinn und Nutzen einer Pflegekammer, die Generalistik der Ausbildung, die in der Realität keine Entsprechung findet, und um die mangelnde finanzielle Ausstattung der Schulen.

Bei ihrem Besuch in der AWO-Fachschule für Altenpflege in Preetz betonten der SPD-Fraktions- und Landesvorsitzende Ralf Stegner und die Wahlkreisabgeordnete Regina Poersch den Erfolg der endlich kostenlosen Ausbildung. Stegner: „Die SPD-geführte Küstenkoalition hat die Kapazität der Altenpflegeausbildung durch zusätzliche landesgeförderte Ausbildungsplätze auf 2100 erhöht. Damit ist die Ausbildung endlich kostenfrei!“ Nun stehe eine Reform der Pflegeausbildung hin zu einer dualen Ausbildung auf der Agenda. Die SPD werde sich außerdem für eine gesetzliche Anhebung des Personalschlüssels einsetzen.

AWO fordert seit Jahren einen Tarifvertrag Soziales

Alt und pflegebedürftig werden die meisten Menschen von allein. „Wo bleibt die Würde des Menschen, wenn wir aus Personal- und Zeitmangel Pflege nach engen Zeitvorgaben wie Fließbandarbeit verrichten?“, fragt eine Schülerin. Ein anderer ergänzt, dass in manchen Einrichtungen bei der Qualität des Essens für die älteren Menschen nur um den Profit willens extrem gespart werde. Dass in weiterer Folge bei Löhnen und Personal gespart wird, scheinen die Schüler*innen eher nachrangig zu bewerten. Für sie steht die unmittelbare Sorge um die Bewohner*innen im Mittelpunkt. Ralf Stegner, Landes- und Fraktionsvorsitzender der SPD in Schleswig-Holstein, schweigt kurz: „Dass nicht alles zum Besten steht in der Altenpflege, war mir klar, aber dass die Zustände in einigen Einrichtungen derart mangelhaft sind, können wir nicht tolerieren.“ Trotz aller Kritik, 90 Prozent der Altenpflegerschüler*innen  würden ihren Beruf wiederwählen: „Die Nähe zu den Menschen, die Sinnhaftigkeit ihrer Aufgabe, wir bekommen in der Altenpflege ganz viel Menschlichkeit und Wärme von unserem Gegenüber zurück“, erklärt Einrichtungsleiterin Irmgard Stremlau.

„Wir haben seit 20 Jahren in der Altenpflege ein strukturelles Problem“, sagt AWO-Geschäftsführer Michael Selck, „diese Abwärtsspirale muss man stoppen, bevor es zu spät ist.“ Lediglich 28 Prozent der Träger von Altenpflegeeinrichtungen haben noch einen Tarifvertrag, als „strukturierendes Moment von Einkommenssystemen“ verliert dieser immer mehr an Wert. Die AWO fordere seit Jahren einen verbindlichen Tarifvertrag Soziales. Die SPD, so Stegner, stehe auf Seiten der Gewerkschaften und setze sich auch für Mitbestimmungsgesetze und Tariftreue ein. „Aber wir leben in einer Demokratie, wir können auch nur die Vorhaben umsetzen, für die wir eine politische Mehrheit haben.“ Stegner und Regina Poersch bedanken sich für die ehrlichen Schilderungen und appellieren an die teilweise jungen Wähler*innen: „Wählen Sie am 7. Mai eine demokratische Partei und googeln Sie mal, wer sich für Tarifverträge, für den Mindestlohn oder für eine Bürgerversicherung einsetzt.“

 

Eine für beide Seiten anregende und aufrüttelnde Diskussion führten die SPD-Politiker*innen Regina Poersch und Ralf Stegner mit den Schüler*innen der AWO in Preetz. Einrichtungsleiterin Irmgard Stremlau und Geschäftsführer Michael Selck moderierten das Gespräch.