27. Januar: Gegen das Vergessen und Verdrängen

Veröffentlicht am 27.01.2021 in Pressemitteilungen

Mit Christoph Gehl (SPDVorsitzender Eutin) am Stolperstein zur Erinnerung an Carl Ullrich, Klaus-Groth-Str. 9

Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und Gedenken in Eutin an den Sozialdemokraten Carl Ullrich

Pressemitteilung zum 27.1.2021

 

Der 27. Januar ist der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee die wenigen Auschwitz-Überlebenden. Dieser Jahrestag ist seit 1996 der bundesweit gesetzlich verankerte Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. 2005 haben ihn die Vereinten Nationen zusätzlich zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt.

 

Stellvertretend für Millionen Opfer der Nazi-Barbarei rufen die Eutiner SPD-Landtagsabgeordnete Regina Poersch und der Eutiner SPD-Vorsitzende Christoph Gehl das Schicksal des Eutiner Sozialdemokraten Carl Ullrich in Erinnerung, dem vor seinem früheren Wohnhaus in der Klaus-Groth-Straße ein Stolperstein gewidmet ist.

Carl Ullrich, geboren 1889 in Hamburg, ist am 31. Oktober 1944 im Konzentrationslager Neuengamme umgekommen.

 

Dazu schreibt Regine Jepp vom Büro für Eutiner Stadtgeschichte:

„Carl Ullrich ist am 22. April 1889 in Hamburg als Sohn eines Zimmermanns geboren. Nach der Schule erlernt er den Maurerberuf, geht auf Wanderschaft, um sich das Geld für ein weiterführendes Studium auf dem privaten Technikum des Baurates Klücher in Eutin zu verdienen. Der Erste Weltkrieg vereitelt diese Pläne. Nach Rückkehr aus dem Krieg arbeitet er bei der Firma Steenbock.

Ullrich baut sich nach dem Ersten Weltkrieg mit Hilfe von Darlehen, eigener Hände Arbeit und nachbarschaftlicher Hilfe ein Eigenheim. Er steigt zum Polier auf, verliert aber gegen Ende der 1920er Jahre seinen Arbeitsplatz. Auslöser ist eine arbeitsgerichtliche Auseinandersetzung, in der sich Ullrich für andere erfolgreich gegen seinen eigenen Arbeitgeber einsetzt. Trotz seiner beruflichen Qualifikation findet er keine Arbeit in Eutin und muss täglich nach Kiel pendeln.

Schon als junger Mann hat sich Ullrich sowohl der Gewerkschaftsbewegung als auch der SPD angeschlossen. Konsequent tritt er 1924 dem „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“, jenem republikanischen Verband zur Verteidigung der Weimarer Republik, bei. 1930 wird er mit weiteren vier Genossen in die Stadtvertretung gewählt. Dort stehen den Sozialdemokraten sieben Nationalsozialisten und drei bürgerliche Vertreter gegenüber. Als Vorsitzender des regionalen Gewerkschaftskartells gehört er zu den politisch exponiertesten Personen der Stadt. Immer wieder gerät er in Zusammenstöße mit SA und NSDAP. Mehrfach wird er krankenhausreif geschlagen. Nach 1933 geht er überwacht, aber unbehelligt einer Arbeit in Kiel nach. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wird er verhaftet und in das Konzentrationslager Neuengamme eingeliefert. Wenige Wochen später wird gemeldet, er sei an einer Lungenentzündung gestorben. Prof. Lawrence Stokes hat ermittelt, dass Ullrich nach Darstellungen von Mitgefangenen am Tag seines Todes nicht schwer krank gewesen sein soll. Ob ein SS-Angehöriger aus Neudorf, der in Neuengamme Kriegsgefangene mit Benzinspritzen hingerichtet hat, auch hier tätig wurde, ist nicht zu beweisen.

Die näheren Umstände bleiben ungeklärt.“

 

Regina Poersch: „Ob Verfolgung Andersdenkender oder Unterdrückung von Minderheiten, es gilt auch heute, den Demokratiefeinden entgegenzutreten und für unsere Demokratie und Vielfalt einzustehen. Die beste Versicherung gegen Völkerhass, Totalitarismus, Faschismus und Nationalsozialismus ist und bleibt die Erinnerung an und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte. Das ist unsere Verantwortung.“

 

Christoph Gehl: „Unser Gedenken an Carl Ullrich, stellvertretend für die Opfer des Nationalsozialismus, ermahnt uns auch heute unser Handeln und Denken als Gesellschaft immer wieder auf den Prüfstand zu stellen. Die Menschenrechte sind nicht verhandelbar und die Würde jedes Einzelnen ist gleich wertvoll.“

 
 

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