Der Binnenlandtourismus braucht zusätzliche Unterstützung durch das Land!

Veröffentlicht am 24.03.2021 in Landespolitik

Landtagsrede am 24.3.2021 zu TOP 10+24:

Binnenlandtourismus stärken, Pandemiefolgen abfedern (Drs.19/2766, 19/2857)

Der Text der Rede kann hier eingesehen werden und ist in Kürze auch als Video abrufbar.

„Der Wirtschaftsmotor Schleswig-Holstein-Tourismus stottert. Ein Virus bremst uns auf der Überholspur unserer erfolgreichen Tourismusstrategie aus. Und während im letzten Jahr an den Küsten unseres Landes nach dem ersten Lockdown im Frühling Boden gut gemacht werden konnte, gilt dies leider nicht für unser Binnenland – das touristisch gesehen immerhin 90% der Landesfläche ausmacht! Erst recht in Zeiten der Pandemie bewegen sich die Übernachtungszahlen im Binnenland auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Man darf sich da nicht von moderaten prozentualen Rückgängen in der Übernachtungsstatistik täuschen lassen.

Ein wichtiger Satz in der Studie „Entwicklungspotenziale und Handlungsempfehlungen zur Stärkung des Binnenlandtourismus in Schleswig-Holstein“, die im Sommer 2019 und damit „vor Corona“ veröffentlicht wurde, lautet: „Das Beherbergungsangebot ist quantitativ und qualitativ der limitierende Faktor für die weitere touristische Entwicklung des Binnenlandes.“ Und nun hat auch noch die Corona-Pandemie den Wirtschaftsmotor Schleswig-Holstein-Tourismus ins Stottern gebracht. Im Jahr 2020 kamen in Schleswig-Holstein 30 Prozent weniger Gäste an. Die Zahl der Übernachtungen sank in diesem Zeitraum um 19,6 Prozent. Wir haben 7 Mio. Übernachtungen verloren! Damit wurde zwar aufs ganze Jahr gesehen durchaus Boden gut gemacht; im ersten Halbjahr 2020 sah es noch düsterer aus.

Aber das gute Abschneiden im deutschlandweiten Vergleich geht eben auf das Konto der Küsten. Auch für dieses Jahr ist aus der Branche zu hören, dass sich zwar der Tourismus an den Küsten wie schon im vergangenen Sommer erholen wird, uns aber erneut geschätzt 7 Mio. Übernachtungen fehlen könnten, je nachdem welche Öffnungen möglich sein werden im Verlauf des Jahres. Nach der Tourismusanalyse für 2021 plant zwar angesichts der Unsicherheiten der Pandemie nicht mal jeder zweite Bundesbürger eine (oder mehrere) Reisen von mindestens 5 Tagen Dauer in diesem Jahr. Doch 33,9 Prozent wollen in Deutschland Urlaub machen. Wenn Urlaub, dann im eigenen Land. Auf der Beliebtheitsskala findet sich Schleswig-Holstein auf Platz 3 hinter Bayern und Mecklenburg-Vorpommern und vor Niedersachen wieder. Und wenn Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen im letzten Jahr ihre Marktanteile am Deutschland-Tourismus jeweils verdoppeln konnten, dann muss uns dies ein Ansporn sein. In Schleswig-Holstein haben wir nicht nur zwei wundervollen Küsten, sondern darüber hinaus jede Menge Süßwasser-Alternativen im Binnenland zu bieten!

Weniger Konzentration auf die Küsten, mehr saisonale und regionale Verteilung und Besucherlenkung – das ist das Ziel auch unserer Tourismusagentur TA.SH. Dabei kommen auch neue Gäste, die unser Land gerade für sich entdecken. Darin liegt eine Chance, von der, nebenbei bemerkt, auch unsere Marketingkooperation Städte profitieren können! Was aber, wenn im Binnenland weitere Hotels und Gaststätten schließen müssen, wie nicht nur der Hotel- und Gaststättenverband befürchtet? Meine Fraktion hat die Situation der Gasthöfe schon im vergangenen Sommer zum Thema gemacht und ich bin froh über unseren seinerzeit gemeinsam gefassten Beschluss. Denn wir brauchen die Landgasthöfe! Sie sind ein ganz wichtiger Bestandteil der touristischen Infrastruktur im Binnenland und Orte der Begegnung im ländlichen Raum!

Mit der Ablehnung unseres Haushaltsantrags für ein Förderprogramm für Landgasthöfe haben Sie leider nicht auf den Deutschen Tourismusverband gehört und seine 4- Säulen-Strategie für einen Neustart im Deutschland-Tourismus. Noch einmal: 1. Impfen 2. Testen 3. digitale Kontaktverfolgung sowie 4. Innovation und Investition. Wir wollen Landgasthöfe dabei unterstützen, in Umbauten, Erweiterungen oder Modernisierungen zu investieren. Und auch der Herr Wirtschaftsminister schließt ein solches Programm ja nicht kategorisch aus, wie in der Haushaltsdebatte zu hören war. Ich sage Ihnen: Wir brauchen zusätzliche Unterstützung des Landes, wir brauchen so ein Förderprogramm. Denn allein mit der Überbrückungshilfe III ist es nicht getan. Die Ü III berücksichtigt Kosten, die bereits entstanden sind. Mit anderen Worten: Um dort Investitionen geltend machen zu können, muss man erstmal investieren können. Das können viele Betriebe aber nicht!

Der Binnenlandtourismus braucht uns. Die Corona-Pandemie hat die Lage weiter verschärft. Bereits im November 2017 haben wir hier einstimmig beschlossen, dass die Potenziale des ländlichen Raums stärker ausgeschöpft werden müssen, um neue Gästegruppen zu gewinnen. Lassen Sie uns noch einmal gemeinsam schauen, was noch gilt und wo wir nachsteuern müssen – bei der Beherbergungssituation, bei der Vermarktung und bei den Angeboten, die das im Binnenland so gefragte Natur-Erleben touristisch in Szene setzen. Lassen uns deshalb gemeinsam alles tun, um den Binnenlandtourismus zu stärken und Landgasthöfen zu helfen.