Große Anfrage zeigt Lehrermangel und sehr unterschiedliche Verhältnisse im Land

Veröffentlicht am 04.06.2020 in Abgeordnete

SPD-Landtagsfraktion zur Lage an den Grundschulen

Die SPD-Landtagsfraktion hat eine Große Anfrage an die Landesregierung gestellt, die sich mit der Lage der Grundschulen befasst. 

Hier zum Original der Großen Anfrage (Drucksache 19/2035 vom 27.2.2020)

 

 

185 Seiten Zahlen, Daten und Fakten brachte die Große Anfrage der SPD-Landtagsfraktion zur Lage an den Grundschulen zutage. Die Ergebnisse fasst der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat, MdL so zusammen:

 

„Der Fachkräftemangel ist im ganzen Land zu spüren, wenn auch in den Kreisen unterschiedlich stark. Auch in anderen Fragen sind die Verhältnisse im Land der unterschiedlich. Erstaunlich ist, was das Bildungsministerium alles nicht beantworten kann -hier müssen wir besser werden, wenn wir unsere Schulen auf einer soliden Datengrundlage weiterentwickeln wollen.“ Gerade bei den Grundschulen sei der Blick auf Arbeitsbedingungen und Qualität besonders wichtig, da hier nun einmal die Grundlagen im schulischen Bildungsweg gelegt werden.

Im Schuljahr 2018/19 gab es in Schleswig-Holstein 550 Grundschulstandorte mit 108.690 Schülerinnen und Schülern (SuS). Im Kreis Plön waren es 4.512 Schülerinnen und Schüler an 18 selbständigen Grundschulen, 7 Außenstellen der öffentlichen Grundschulen und 3 Grundschulteilen von Gemeinschaftsschulen. Die größte eigenständige Grundschule im Kreis Plön war die Grundschule an den Salzwiesen in Schönberg mit 378 SuS, die kleinste Grundschule die Ostseeschule in Blekendorf mit 108 SuS.

 

Mit Blick auf ganz Schleswig-Holstein sind es die Grundschule des Schulverbands Ratzeburg (688 SuS) und die Grundschule Lübeck-Niendorf (39 SuS). Sehr unterschiedlich wirkt sich der demographische Wandel auf die Kreise aus: Gibt es in Flensburg heute 13 Prozent mehr Grundschülerinnen und Grundschüler als vor zehn Jahren, sind es in Nordfriesland knapp 22 Prozent weniger. Der Kreis Plön verzeichnete in diesem Zeitraum ein Minus von 11 Prozent.

 

Von den 5.315 Stellen für Grundschullehrkräfte sind leider nur 4.588 mit fertig ausgebildeten Grundschullehrkräften besetzt, über ein Zehntel des Unterrichts hat auch vor Corona schon nicht regulär stattfinden können. 26,54 Prozent der Klassen wurden in Mathematik von Lehrkräften unterrichtet, die dieses Fach nicht studiert haben, 239 Klassen zusätzlich von Lehrkräften ohne zweites Staatsexamen.  In Sachunterricht steigt die Quote auf 43 und in Musik auf über 47 Prozent ohne entsprechende Qualifizierung. Sechs Grundschulen im Kreis Plön mussten mit zwei oder weniger Mathe-Fachkräften auskommen.

 

Bleiben fertig ausgebildete Referendare in Schleswig-Holstein? Wie werden krankheitsbedingt ausfallende Lehrkräfte für Sonderpädagogik ersetzt? Diese Fragen kann das Bildungsministerium nicht beantworten.

 

Sehr unterschiedlich ist die Lage im Land bei Fragen der Schulentwicklung. In Flensburg organisieren 70 Prozent der Grundschulen ihre Eingangsphase flexibel mit übergreifenden Klassen in den Jahrgangsstufen 1 und 2, im Kreis Plön sind das nur 19 Prozent.

Im Schuljahr 2018/19 mussten 2.916 Schülerinnen und Schüler die Jahrgangsstufe 1 oder 2 wiederholen bzw. ein drittes Jahr in der flexiblen Eingangsphase verbringen (im Kreis Plön 111), dem standen nur 15 Schülerinnen und Schüler gegenüber, die die Eingangsphase in einem Jahr durchliefen (Kreis Plön 0).

 

In einigen Städten gab es überhaupt keine Unterrichtshospitationen durch die Schulaufsicht. Aus Sicht der SPD-Landtagsfraktion muss sich das Ministerium aber dafür interessieren, was an den Schulen passiert. Der Kreis Plön liegt mit 35 Schulbesuchen im unteren Drittel und mit 11 Hospitationen immerhin im mittleren Bereich.

 

Wir finden: Das Land muss auch beschreiben können, wie es sich eine gute Grundschule vorstellt. Viele Schulträger orientieren sich noch immer an den Schulbaurichtlinien von 2007, seitdem gibt es da nichts Neues. Am Nachmittag geht der Trend zur offenen Ganztagsschule, manche Kreise setzen auch noch auf Horte oder private Betreuungsvereine.

2019 haben in Schleswig-Holstein 9.298 Schülerinnen und Schüler Hortangebote wahrgenommen, davon 1.653 in Stormarn und nur 108 in Dithmarschen. Im Kreis Plön waren dies nur 165. An 9 Schulen im Kreis Plön gibt es eine Offene Ganztagsschule.

 

Wie viele Mensen sind an den Grundschulen eingerichtet? Das weiß das Land nicht. Wenn aber Schulentwicklung in Richtung Ganztag stattfinden soll, müssen wir aber die Ausgangslage kennen! Das gilt auch für digitale Lernangebote, die durch den Digitalpakt und die jüngsten Erfahrungen in der Corona-Krise nun massiv ausgebaut werden. In den vergangenen Wochen haben die Schulen deutlich gesehen, was sie in diesem Bereich können und was nicht. Und vor allem haben sie gesehen, wer es gut kann. Diesen Vorbildern muss jetzt mit den vorhandenen Digitalpaktmitteln schnell nachgeeifert werden. Es darf nicht mehr sein, dass wir einen Teil der Schülerinnen und Schüler über einen längeren Zeitraum einfach nicht erreichen.

 

(Leider lassen sich die Einzeldaten für Eutin, Malente und Bosau aus meinem Wahlkreis nicht herausfiltern, daher sind hier nur die Zahlen aus dem Kreis Plön berücksichtigt)