Reginas Woche 25/2018

Veröffentlicht am 22.06.2018 in Aktuelles

Die SPD-Sprecherinnen und Sprecher für Tourismuspolitik

Chancen für den Tourismus: SPD-Sprecherkonferenz in Düsseldorf

Diese Woche war vor allem durch die zweitägige Konferenz der tourismuspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der SPD-Fraktionen in Bund und Ländern in Düsseldorf geprägt.

 

Dabei ging es etwa um Chancen für den Tourismus durch die Digitalisierung, um Barrierefreiheit im Tourismus, um E-Mobilität im Urlaub und um Fachkräftemangel und Arbeitsbedingungen in Hotellerie und Gastronomie. In einem eigenen Beitrag habe ich zum nachhaltigen Tourismus und zur Frage der Sicherstellung der Akzeptanz von Tourismus bei der Bevölkerung Bericht erstattet. Auch das Thema Sharing (Airbnb und Co.) beschäftigt uns.

 

Wie können wir die Akzeptanz von Tourismus bei der Bevölkerung auch in Zukunft sicherstellen? Wer von Touristen genervt ist, gibt sich wenig gastfreundlich!

 

In Schleswig-Holstein ist die Tourismusintensität mit 10.372 Übernachtungen je 1.000 Einwohner bundesweit mit am höchsten (Platz 2 nach Mecklenburg-Vorpommern). Unsere Tourismusstrategie wirkt und entwickelt sich geradezu rasant. Unser Ziel von 30 Millionen Übernachtungen bis 2025 haben wir mit 29,9 Mio. schon heute quasi erreicht (29,9 Mio. Übernachtungen, 7,7 Mio. Ankünfte, 3,9 Aufenthaltstage).

 

Ein Grund genervt zu sein? Nein! Oft wird vergessen: Der Tourismus bringt Wertschöpfung - in Schleswig-Holstein 9,4898 Mrd. EUR jährlich. Das Beschäftigtenäquivalent beträgt 168.030. Allein in Schleswig-Holstein beträgt das Steuer-Aufkommen aus dem Tourismus jährlich 926 Mio. EUR.

Geld, das für eine verbesserte Infrastrukturausstattung enorm wichtig ist. Und davon profitieren auch Einheimische durch einen verbesserten Freizeitwert, ein attraktives Angebot an Freizeit, Kultur, Unterhaltung, Shopping, Gastronomie. Nicht zu vergessen die erhöhte Attraktivität eines Ortes oder einer Region. Denn ein Ferienort hat in der Regel ein gutes Image! Das ist auch wichtig für die Standortqualität eines Ortes, etwa in der Standortgunst bei der Unternehmensansiedlung oder bei der Gewinnung von Fach- und Führungskräften.

Der Tourismus tut also in vielerlei Hinsicht gut. Wir könnten ihn aber besser verteilen, sowohl räumlich als auch zeitlich. Die Strategie in Schleswig-Holstein ist relativ einfach und heißt Saisonverlängerung. Ostsee und Nordsee bewerben den Sommer schon gar nicht mehr, und die stärksten Zuwächse verzeichnen die Küsten im Oktober/November. Das sorgt für eine bessere Verteilung, ist gut für die Auslastung der Betriebe und für eine nachhaltige Beschäftigung.

 

Und wie gehen wir in Schleswig-Holstein mit  Airbnb und Co. um? Diese moderne und individuelle Urlaubsform hatte ihren Ursprung in der Formel  „Luftmatratze und Frühstück“ und ist heute kaum mehr wegzudenken. In den Ferienorten hilft Airbnb im Kampf gegen kalte Betten. In den Städten hingegen konkurriert Airbnb vermehrt mit der Hotellerie, und es entsteht zudem eine Konkurrenz um Wohnraum und Mietpreise. Insbesondere Gäste, die früher mehrere Wochen in einem Hotel abgestiegen sind, entscheiden sich vermehrt für Airbnb-Wohnungen. In Städten kommt es zur  Verknappung und Verteuerung des Wohnraums, da die vermieteten Wohnungen nicht mehr für langfristige Mietverträge zur Verfügung stehen.

 

In Schleswig-Holstein stieg die Zahl der Angebotseinheiten auf der Plattform Airbnb zwischen 2012 und 2017 von knapp 200 auf über 9.000 an. Dies entspricht inzwischen einem das gewerbliche Angebot erweiternden Bettenanteil von etwa 10%. Die Top-3-Airbnb-Destinationen in Schleswig-Holstein sind derzeit Lübeck, Kiel und Flensburg. Lokale Gastgeber verzeichnen in Kiel und Umgebung während der Kieler Woche ein Wachstum der Gast-Ankünfte von über 120 Prozent. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen, denn immer mehr Anbieter von klassischen Ferienwohnungen oder auch kleinen Hotels vermarkten sich über diese Plattform und nutzen diesen neuen Vertriebskanal. Der Tourismusverband Schleswig-Holstein und Tourismusorganisationen teilen die Auffassung des DeHoGa nicht, die Übernachtungspreise bei Airbnb lägen im Vergleich zum klassischen Hotel oft bei knapp der Hälfte und die Hotels müssten  zahlreiche Auflagen erfüllen – von Hygieneanforderungen über Gewerbeanmeldungen bis zum Zahlen von Steuern. Doch wer eine Unterkunft über Airbnb anbiete, müsse das nicht. Das sei Wettbewerbsverzerrung. Ich habe dazu Gespräche geführt und stelle fest, dass Tourismusorganisationen in unserem Land zur Gelassenheit raten und sogar eher eine Chance in diesem modernen Vertriebskanal sehen.

Dennoch ergeben sich natürlich Herausforderungen wie die Ermittlung belastbarer Marktkenntnisse, die beschriebene Zweckentfremdung von Wohnungen durch gewerbliche Fremdvermietungen, wodurch der Wohnraum in Städten zusätzlich verteuert und verknappt wird. Und nicht zuletzt Steuerfragen  – wer vermietet, soll auch Steuern zahlen! Das setzt voraus, dass Airbnb die Einnahmen aller seiner Vermieter meldet (Dänemark hat dazu mit Airbnb ein Abkommen geschlossen, in Deutschland versucht das Bundesfinanzministerium derzeit über ein Auskunftsersuchen an die Steuerbehörden Irlands, die personenbezogenen Daten deutscher Airbnb-Vermieter zu ermitteln, um diese mit den Steuerdaten abzugleichen (taz 22.05.2018)). Von erfolgreichen städtischen Kooperationen wurde mir aus Dortmund, Hamburg und Kopenhagen berichtet.

Das Thema Sharing wird uns also weiter beschäftigen.

 

Über die Ergebnisse der Konferenz haben wir im Fraktionsarbeitskreis Wirtschaft denn auch intensiv diskutiert.

 

Außerdem war ich in dieser Woche einen ganzen Tag lang in meiner Eigenschaft als stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft für Politik und Bildung, dem Trägerverein der Gustav-Heinemann-Bildungsstätte in Bad Malente-Gremsmühlen, unterwegs und habe an Sitzungen und Treffen der Europa Union Ostholstein und der Eutiner SPD teilgenommen.