Unser Tourismus braucht eine echte Kraftanstrengung beim Fachkräftemangel

Veröffentlicht am 25.02.2022 in Landespolitik

Landtagsrede vom 25.2.2022 zu TOP 47:

Quo vadis Schleswig-Holstein-Tourismus?

(Drs. 19/3349(neu), 19/3454)

Was geht? Was kommt? Was bleibt? So lauteten die zentralen Fragen des Tourismustages im letzten Oktober.

Wir haben deshalb (noch im Oktober!) die Landesregierung gefragt, wie es nach anderthalb – inzwischen zwei - Pandemiejahren um den Schleswig-Holstein-Tourismus bestellt ist. Gar nicht mal so schlecht, ist im Bericht des Wirtschaftsministers zu lesen, für den ich mich im Namen meiner Fraktion bedanke.

Auf der Basis unserer erfolgreichen Tourismusstrategie wurde vieles richtig gemacht. Der Schleswig-Holstein-Tourismus ist deutlich besser durch die Pandemiekrise gekommen als die Mitbewerber. Viele Akteurinnen und Akteure haben sich dafür ins Zeug gelegt, und auch dafür möchte ich Danke sagen. Sie hatten keine leichte Zeit!

Es ist ein Trend zum Urlaub im eigenen Land abzulesen, auch werden die Aufenthalte länger. Das ist sehr gut. Wir haben die Chance, neue Gäste für unser Land zu gewinnen und diese neuen Gäste zu Stammgästen zu machen. Das ist zugleich eine Herausforderung, denn schon bald konkurriert unser Urlaubsland wieder mit Destinationen in der ganzen Welt.

Ich möchte, dass unsere Gäste auch dann wiederkommen, wenn diese schlimme Pandemie eines Tages vorbei ist! Dazu können und sollten ein paar Weichen gestellt werden:

Erstens: Wir brauchen eine echte Kraftanstrengung beim Fachkräftemangel. Wir können es uns nicht erlauben, dass unser touristisches Angebot schwindet, wenn Koch und Köchin fehlen. Wir können es uns nicht erlauben, dass Tourismusfachkräfte in andere Branchen abwandern. Ich will an dieser Stelle das Nordsee-Kollektiv in St. Peter-Ording hervorheben, in dem sich 5 Betriebe zusammengetan haben, um für ihre Beschäftigten Wohnraum und Fortbildungen und anderes mehr zu organisieren. Das ist eine super Sache, darf uns in der Landespolitik jedoch nicht aus der Verantwortung bei Wohnungsbau und Ausbildung entlassen.

Zweitens: Wir brauchen eine Charme-Offensive. Unsere Gäste sollen sich willkommen fühlen! Tourismusakzeptanz ist von elementarer Bedeutung! Das lässt sich auch nicht abtun mit dem Hinweis, in Venedig sei alles viel schlimmer. Ich möchte, dass in unseren Tourismusorten eine echte Willkommenskultur herrscht und dass die wirtschaftlichen Vorteile des Tourismus immer auch von Einheimischen, die z. B. nicht in der Tourismusbranche arbeiten, gesehen und anerkannt werden. Ich möchte kein Gemöpper über lange Schlangen vorm Bäcker im Sommer, sondern ein „Schön, dass Sie da sind, liebe Gäste“. Wir müssen Kritikerinnen und Kritiker mitnehmen und ernst nehmen und dürfen diese Aufgabe keineswegs allein den Kommunen überlassen. Dieses auch deshalb, weil es ganz einfach Zielkonflikte gibt, auf die das Land ein Auge haben muss: Ich will die Themen Wohnungsnot nennen, wildes Campen im Naturschutzgebiet oder auch den Brandschutz auf Campingplätzen. Auch die digitale Gäste-Lenkung ist so ein Thema von landesweiter Bedeutung. Es könnte ein Ansatz für mehr Tourismusakzeptanz sein, dass nicht nur wenige Orte alles schultern müssen und das auch noch in einem engen zeitlichen Korridor.

Wir müssen deshalb – drittens: unseren Tourismus sowohl saisonal als auch regional breiter aufstellen. So ganz nebenbei hätte ganzjähriger Tourismus auch positive Effekte auf die Beschäftigung! Um regional besser aufgestellt zu sein, hat meine Fraktion vor einem Jahr mit dem Antrag Drucksache 19/2766 einen Aufschlag gemacht. Die Vorschläge der Studie zum Binnenlandtourismus liegen auf dem Tisch. Lassen Sie uns die Vorschläge umsetzen! Wir wollen in diesem Zuge den Landgasthöfen besondere Aufmerksamkeit widmen. Wir können uns vorstellen, Landgasthöfe über ihre Bedeutung für die touristische Infrastruktur hinaus als Orte der Begegnung im ländlichen Raum zu fördern. Die Landgasthöfe haben es schwer, glauben Sie mir das endlich. Wir wollen ein Förderprogramm. Wir wollen mehr als ein Sorgentelefon. Die Pandemie ist noch nicht vorbei, doch sie zeigt uns bereits, wo im Schleswig-Holstein-Tourismus Handlungsbedarf besteht.

Meine Fraktion befürwortet seit jeher einen nachhaltigen Tourismus, der ökonomisch einträglich, ökologisch verträglich und sozial gerecht ausgestaltet ist. Schleswig-Holstein ist bei den aktuellen Tourismuszahlen (und auch sonst) ganz oben. Unsere Gäste werden Stammgäste, wenn wir unser Urlaubsversprechen einhalten, die Preisschraube nicht überdrehen und die Leistungen stimmen. Das würden wir gern im Wirtschaftsausschuss vertiefen. Ich beantrage die Überweisung des Berichts dorthin.

Das Original der Rede kann hier gelesen werden.