Weltfrauentag am 8. März

Veröffentlicht am 08.03.2021 in Aktuelles

"Ich wohne in der Anny-Trapp-Straße in Eutin"

Zum Weltfrauentag hat die SPD-Landtagsfraktion eine Aktion in den sozialen Medien veröffentlich. Hier mein Beitrag dazu:

 

Anny Trapp war eine bemerkenswerte Sozialdemokratin.

Geboren am 21.12.1901 in Kiel, wuchs Anny Trapp dort im typischen Arbeitermilieu der damaligen Zeit auf. Prägende Erfahrungen führten dazu, dass sie 1952 der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen beitrat, deren Vorsitzende sie in Eutin bis 1968 war. Von 1955 bis 1970 war sie Mitglied der Eutiner Stadtvertretung, ab 1959 Mitglied des Magistrats. Höhepunkt ihrer fast gleichzeitigen Tätigkeiten als Kreistagsabgeordnete war ihre Funktion als Kreispräsidentin des damaligen Kreises Eutin.

 

Seit Beginn ihrer politischen und ehrenamtlichen Tätigkeit in zahlreichen anderen Gremien lagen ihr immer die Menschen am Rande der Gesellschaft sehr am Herzen. Anny Trapp wurde lange Zeit als das ‚soziale Gewissen Eutins‘ bezeichnet. Wer sie kannte, wusste ihre ehrliche, warme Art sehr zu schätzen.

 

In Eutin gehen wichtige Einrichtungen auf ihre Anregung zurück, wie das Alten- und Pflegeheim des DRK in der Waldstraße, die Altenbegegnungsstätte der AWO (heute ‚Bürgertreff‘) und der mobile Mittagstisch ‚Essen auf Rädern‘. Auch die Ostholsteiner ‚Lebenshilfe‘, eine wichtige Einrichtung vor allem für Kinder mit Behinderungen, mochte nie auf Anny Trapp verzichten.

 

Soziale Ungerechtigkeit war ihr zuwider. Deshalb konnte sie auch ganz engagiert streiten, wenn es um die Durchsetzung von Interessen benachteiligter Menschen ging. Ihr fachlicher und menschlicher Rat wurde von vielen Entscheidungsträger:innen immer wieder geschätzt.

 

Auch während ihrer langjährigen Tätigkeit als Kreisvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt sowie als SPD-Landtagsabgeordnete (1964-1967) schaltete sich Anny Trapp immer wieder sofort ein, wenn sie eine soziale Ungerechtigkeit bemerkte. Dadurch erwarb sie sich über die Grenzen ihrer SPD hinaus große Anerkennung und viel Vertrauen.

 

Anny Trapp war keine Frau der großen Worte; sie war eine Frau der leisen Tat. Die zahlreichen Ehrungen für ihr Lebenswerk – darunter die höchsten Auszeichnungen der SPD und der Arbeiterwohlfahrt, die Freiherr-vom-Stein-Medaille und das Bundesverdienstkreuz - nahm sie eher gelassen und bescheiden an. Sie kommentierte sie mit den Worten: „Ach Kinners, wichtiger als Orden sind doch immer noch die glücklichen Gesichter der Menschen, denen man helfen konnte".

 

Die für sie wohl schönste Würdigung erfuhr Anny Trapp im Jahr 1991, als die AWO ihre Eutiner Kindertagesstätte nach ihr benannte. Ebenfalls 1991 wurde ihr zu Ehren der Verein Anny-Trapp-Preis e. V. gegründet, der bis heute einmal jährlich am 21. Dezember, dem Geburtstag von Anny Trapp, einen Preis von 1500 EUR für soziale Projekte vergibt.

Anny Trapp verstarb am 16 März 1994.

 

Ich habe Anny Trapp noch persönlich gekannt. Ihre menschliche und bescheidene Art sowie ihr engagiertes Eintreten für die Benachteiligten in unserer Gesellschaft ist Vorbild für alle, auch für mich.

 

Heute bin ich dankbar, dass ich als Eutiner SPD-Landtagsabgeordnete in der nach Anny Trapp benannten Straße wohne.“